Letzten Sonntag (11.10.09) stand ein Stadtspaziergang in der Stadt Zürich mit dem Künstler San Keller auf dem Programm.
Erstmal ein wenig zum Künstler selbst und zu den Veranstaltern dieses Spaziergangs. San Keller am 19.Januar 1971 geboren studierte Bildende Kunst an der ZHdK, wohnt und lebt in Zürich. Laut der Seite der Veranstalter http://kunstpassanten.ch/projekt/beteiligte/ hat sich San Keller “national und international mit seinen partizipativ-ephemeren Aktionen und seinen poetisch-witzigen Objekten einen Namen gemacht”.
Schaut man sich die Seite von San Keller selbst an http://www.museumsankeller.ch/ ,sieht man als erstes ein recht tristes Mehrfamilienhaus, in dem sich das Museum San Keller befinden soll.

Klickt man sich nun weiter kommt man auf das Inhaltsverzeichnis der Seite und findet unter “Die Informationen” das Team. Man sieht Mariane und Fritz Keller, die Eltern, auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzen und in der Mitte der Beiden sitzt San Keller mit der Fernbedienung in der Hand. Alle drei sind am lächeln und schauen dabei in den Fernseher. Vermutlich im Wohnzimmer der Eltern. Mutter Keller wird als Sammlungskonservatorin und Vater Keller als Geschäftsführer vorgestellt.
Die Seite hat noch manch anderes zu bieten, wie zum Beispiel das Spiel “Memosan”. Ein recht einfaches Memoryspiel, jedoch mit Bildern von Werken und Aktionen von San Keller.
Unter diesem Link www.kunstverein.ch/uploads/…/WERKVERZEICHNIS_2005_09.pdf findet man ein recht ausführliches Werkverzeichnis. Zwar nur aus dem Jahre 2005, aber es gibt doch schon einen schönen Überblick über sein Schaffen.
Kommen wir nun zu den Veranstaltern dieses Spaziergangs. Der link hierzu wäre http://kunstpassanten.ch/ . Auf der Homepage erfährt man, dass es sich um “ein kuratorisches, vermittelndes Projekt zur Kunst im Stadtraum Zürich, das die Erfahrung desselben durch die Praxis des Spazierens und des Erzählens thematisieren will.” Das ganze Projekt ist in Zusammenarbeit mit Andrea Mena und im Rahmen des MAS Curating der Zürcher Hochschule der Künste entstanden.
Dazu laden sie verschiedende KünstlerInnen und TheoretikerInnen ein, die während dieser Spaziergänge Kunst im öffentlichen Raum und Entstehungsprozesse von öffentlichen Räumen thematisieren bzw. thematisieren lassen wie San Keller, aber dazu später.
Ein Ziel des Ganzen ist es, laut Kunstpassanten, eine neue Praxis des Ausstellens und auch eine andere Art der Kunstrezeption zu präsentieren. Ein weiteres Ziel ist es eine neue Sicht auf die Stadt und ihre Kunstwerke zu ermöglichen.
San Keller hat dies dadurch ermöglicht, indem er sich selbst eher zurückgenommen hat und am Anfang des Spaziergangs nach Freiwilligen gefragt hat, welche einen Raum, ein Kunstwerk oder sonstiges vorstellen wollen. Aber nicht ohnen auch eine Art extrinsischen Anreiz dazu zu bieten. Seine 800 Franken Honorar verteilte er unter den Vortragenden, einzige Bedingung: Sie müssen natürlich bis zum Schluss bleiben!
Treffpunkt war im Hauptbahnhof unter der Nana von Nikki de Saint Phalle. Nachdem sich genügend Freiwilllige gemeldet haben und der erste Ort bestimmt war, bewegte sich die recht grosse Gruppe langsam durch die Bahnhofsstrasse in Richtung Max Bill`s Granitskulptur.
Diese wurde von einem Studienkollegen vorgestellt bzw. gab es viele Infos zu Max Bill selbst und eine Dame konnte sich den Kommentar nach den ersten Ausführungen nicht verkneifen und fragte: “Und kannnst du noch was zu der Skulptur sagen?”

Nicht wirklich, aber um das geht es ja auch nicht unbedingt. Aufmerksamkeit erregt dieses Reisegrüppchen auch bei Jungendlichen, die sich kurz dazugesellen, aber das ganze eher skeptisch und belustigend beobachten.

Wenn wir schon dabei sind, was kann man über den Altersdurchschnitt sagen? Nun ja, im Endeffekt war alles dabei, von 20-70Jährige. Auffallend war jedoch, dass hauptsächlich die älteren Semester sich zu Wort gemeldet haben.

Laut San Keller ist der öffentliche Raum sehr gross und vielfältig. Was sich bestimmt auch dieser Herr gedacht hat, als er uns durch einige Hinter- bzw. Innenhöfe geführt hat. Vorgestellt hat er sich als Biologe und Kulturbeobachter, aber sein Name ist mir leider entfallen.

In dem zweiten Hinterhof forderte er die Beteiligten auf: “Ziehen wir es uns rein mit allen Sinnen! Auch akustisch.” Das heisst eine recht grosse Gruppe von Menschen steht in einem Hinterhof, der meiner Meinung nach nicht mal irgendetwas Besonderes hatte, zumindest nicht für mich auf den ersten Blick, und versucht oder fragt sich wie man das jetzt machen soll?

Auch einige Anwohner schauen ganz verlegen aus ihren Fenster, um sich dann rasch wieder hinter ihrem Vorhang zu verstecken. Ob ihnen bewusst ist, dass jemand ihren Hinterhof als äusserst spannend empfindet?
Oder ein anderes Bild, wo sich die Menge in Reih und Glied stellt um sich einen weiteren Hinterhof anzuschauen.
Es eine weitere Station war am Limmatquai, wo wenn ich es richtig verstanden habe, ein Kran bald seinen Platz einnehmen soll und das auch noch als Kunst durchgehen soll. Der euphorische ältere Herr kam nun endlich mit der Frage auf: “Was ist eigentlich Kunst?”

Einen schönen Ort fand ich persönlich das Grossmünster, mit den neuen Sigmar Polke Fenstern. Gerne hätte ich sie fotografiert, aber mehrere Schilder wiesen einen daraufhin bitte keine Fotos zu machen. Aus welchem Grund auch immer, sei es um die Ansichtskarten zu verkaufen wie manch einer glaubt oder aus sonst irgendeinem Grund. Wenn man mich, auch mit Schildern, darum bittet keine Fotos zu machen, dann halte ich mich daran. Ich glaube fast, dass ich die Einzige war, die sich daran gehalten hat. Nichtsdestotrotz kann ich hier ein Bild eines der Fenster zeigen, denn auch auf den “erlaubten” Weg kommt man zu Bildern der Fenster und das auch umsonst.

Insgesamt ging der ganze Spaziergang etwa 5 Stunden und endete anscheinend in Schlieren. Ich muss ehrlich zugeben, es nicht bis zum Schluss geschafft zu haben, aber es wartete ja auch keine Belohnung auf mich. Schade war, dass aufgrund der Grösse, es nicht allen und immer möglich war wirklich alles mitzubekommen. Manche Ausführungen könnte ich einfach akkustisch nicht verstehen, andere auch so nicht.
Aber der grösste Teil der Vortragenden wies darauf hin, dass man ja auch alles googeln könnte, was hier unbeantwortet blieb! Frohes googlen also!
Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, sich auf den Weg zu machen und eventuell verbringe ich noch einen weiteren Sonntag so.
